Fakultät für Architektur und Bauingenieurwesen

Kultur der Reparatur | DE

Diese Forschung knüpft an die Publikation Umbaukultur: For an Architecture of Altering an, herausgegeben von Christoph Grafe und Tim Rieniets (Dortmund: Kettler, 2020/2023), von der eine dritte Auflage in Vorbereitung ist. Reparatur ist seit Jahrhunderten Teil der architektonischen Kultur, durch die Arbeit von Handwerkern, Bauarbeitern und Instandhaltungspersonal. Seit der Industriellen Revolution wird die architektonische Praxis jedoch von der Suche nach neuen Bautechnologien und -materialien dominiert, wobei Baustellen oft als tabula rasa behandelt und der Abriss als Standardmassnahme für zukünftige Entwicklung oder Transformation betrachtet wird. Dieser Fokus hat zu einer Sättigung mit neuen Bauelementen geführt, die über die Zeit enorme Abfallmengen erzeugen. Vor dem Hintergrund einer nicht nachhaltigen Abfallwirtschaft nimmt der Begriff der Reparatur heute einen zunehmend prominenten Platz in der architektonischen Praxis ein, als Katalysator für Gestaltungsansätze, die die Kreislaufwirtschaft umarmen. Ansätze wie adaptive Wiederverwendung – oder Umbaukultur – sind als Reaktion auf grundlegende Wertverschiebungen in der Bauindustrie entstanden. Die theoretischen Implikationen dieser Reparaturwende sind lange übersehen worden, haben aber in den letzten Jahren im Kontext der Diskussion um adaptive Wiederverwendung Aufmerksamkeit erhalten. Obwohl die breite Aufmerksamkeit für Reparatur in der Architektur relativ neu ist, lassen sich ihre Wurzeln in breitere künstlerische, kulturelle und intellektuelle Traditionen zurückverfolgen, doch die theoretischen und historischen Rahmenwerke bedürfen weiterer Entwicklung.

Dieses Forschungsprojekt zielt darauf ab, exemplarische historische Praktiken und Narrative sowie theoretische Rahmenwerke zu identifizieren und zu untersuchen, die eine Kultur der Reparatur in der Architektur fördern, und ein neues begriffliches Instrumentarium zu entwickeln, in dem Reparatur als integraler Bestandteil architektonischen Denkens und architektonischer Kultur neu definiert wird. Aufbauend auf interdisziplinären Erkenntnissen positioniert das Projekt Reparatur nicht bloss als technischen Akt, sondern als kulturelle Praxis, die in der Lage ist, die zerstörerischen Kreisläufe von Abriss und Abfall in der modernen Bauweise herauszufordern. Die Kultur der Reparatur entspringt der dringenden Notwendigkeit, vorhandene Ressourcen wiederzuverwenden, was eine Neubewertung vergessener Handwerkstraditionen und der in diesen Praktiken eingebetteten stillen Wissensformen mit sich bringt. Das Projekt zielt darauf ab, zu einer Neukonzeptualisierung der Wissensgenerierung beizutragen, die für die Bauwende notwendig ist, und profitiert dabei auch von Erkenntnissen aus der Denkmalpflege. Es beinhaltet eine Untersuchung stillen Wissens, das sich in Werkzeugen wie Skizzen und Modellen manifestiert, und da architektonische Projekte zunehmend Spezialisten einbeziehen, wird die Neubewertung solchen Wissens entscheidend für die Förderung effektiver Zusammenarbeit. Die Forschung baut auf dem TACK-Projekt auf und erweitert ihren Fokus auf globale Handwerkskulturen, in denen stilles Wissen eine wichtige Ressource ist, während sie auch den in Wuppertal und Zürich entwickelten Wissensbestand zur Kreislaufwirtschaft nutzt. Sie argumentiert, dass vermittelnde Objekte und mündliche Kommunikation wesentlich sind, um das stille Wissen verschiedener Spezialisten mit den praktischen, langfristigen Zielen einer dauerhaften und reparaturfähigen Architektur in Einklang zu bringen.

Obwohl die Wiederverwendung von Gebäuden fast so alt ist wie das Bauen selbst, war sie nur ein marginaler Bestandteil der Architekturtheorie. Der Diskurs der adaptiven Wiederverwendung hat sich auf die Erfahrungen der Berufspraxis und technische Herausforderungen konzentriert. Die Denkmaltheorie bleibt relevant, ist jedoch durch ihre Fokussierung auf kanonische Monumente begrenzt und erfordert andere Ansätze, um pragmatische Notwendigkeiten mit sozialen Erwägungen auszubalancieren. Dieses Projekt zielt darauf ab, zur Theorie einer Kultur der Reparatur beizutragen, indem es ein Textarchiv mit Quellen aus der Architekturtheorie, anderen Disziplinen und Handwerkshandbüchern erstellt. Es schlägt die Erstellung einer Anthologie vor, die sich an einflussreichen Sammlungen ab den 1960er Jahren orientiert, die der Neukonzeption der Moderne dienten. Das Projekt übernimmt dieses redaktionelle Rahmenwerk, vollzieht jedoch eine konzeptionelle Wende, um eine Theorie der Reparatur zu formulieren, und erweitert das Spektrum gültiger Quellen über die kanonische Theorie hinaus um Bauhandbücher, philosophische und ethische Schriften sowie literarische Texte, ohne zeitliche oder regionale Beschränkungen. Die Auswahl wird weniger bekannte Autoren einbeziehen, was ein globales Netzwerk von Beitragenden und eine grundlegende Neubetrachtung der Definition von Architekturtheorie erfordert. Der methodische Prozess besteht darin, jede Quelle auf ihre Relevanz für die Reparatur zu prüfen und sie in ihrem ursprünglichen Feld zu verstehen. Das Ergebnis wird eine gemeinsam verfasste Anthologie sein, die die Dichotomie zwischen Denken und Handeln überbrückt und Orientierung für Pädagogen und Praktiker bietet. Das Projekt erstreckt sich auch auf die Architektenausbildung, hinterfragt traditionelle pädagogische Modelle und stellt kollektive Autorschaft und Ethiken der Fürsorge in den Vordergrund. Es wird die im Rahmen des TACK-Projekts geschaffene Infrastruktur weiterentwickeln und nutzen und die Anthologie im Interdisziplinären Zentrum für Editions- und Dokumentwissenschaft verankern, um die redaktionellen Methoden der Auswahl, Übersetzung und Kommentierung zu validieren.

Conference UmBauKultur, Gelsenkirchen (24 January 2014)

Re-using cities and buildings is rapidly becoming the main field of work for architects in Europe, particularly in regions undergoing profound transformations, such as North Rhine – Westphalia. The Initiative StadtBauKulture NRW organised a one day conference on this subject. Christoph Grafe chaired one of the afternoon workshops discussing the cultural and aesthetic aspects of re-use and re-building.

zuletzt bearbeitet am: 10.09.2026